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MOBILBLOG

ÜBER FREUD’ UND LEID DER VESPA-OLDTIMEREI


Fotos: Archiv Guido Schwarz
 
 

MEINE VESPA SPRINGT NICHT AN

Und wieder einmal liegt der Fehler dort, wo ich ihn am wenigsten vermutet hätte. Das kommt nicht gerade selten vor. Eine Einführung in die Logik eines Reparaturversuchs


 

 
Autorbox Schwarz klEin wunderschöner Sommerabend ist geradezu ideal, um mit der Vespa noch eine kleine Runde zu drehen. Vor allem, wenn der Tag anstrengend war und man den Kopf wieder frei bekommen möchte. Da passt der Anruf meiner Schwester gut, denn ich sehe sie ohnehin nicht so oft, und wir vereinbaren einen Besuch bei meinem Lieblingsheurigen im Liebhartstal im 16. Wiener Bezirk, nur knapp zwanzig Minuten Fahrzeit entfernt.

Als sich der laue Abend dem Ende zuneigt und die Dämmerung hereinbricht, ist es Zeit für die Heimfahrt. Außerdem reichen drei Sommerspritzer, ich will schließlich meinen Führerschein behalten.

Die Vespa springt nicht an. Nach ein paar Kicks ist sofort klar, dass das nichts mehr wird, denn sie springt immer auf den dritten Kick an, absolut immer. Auch der Versuch, sie anzurennen, scheitert, und ich rufe meiner Schwester zu, dass sie bitte noch ein paar Minuten warten möge, denn am Sonntag fährt um diese Zeit kein Bus mehr, der mich in die Stadt bringen könnte.
Herrje, was kann denn das sein? Sie hat doch bis hierher wunderbar funktioniert. Meine gemütliche Heurigenstimmung schlägt schlagartig um, denn ich ahne bereits, dass die Vespa heute hier stehen bleiben wird.

Wenn die Vespa nicht anspringt, so hat das meistens zwei Ursachen: erstens Benzinzufuhr und Vergaser, zweitens Zündung. Ich empfehle, zuerst den Zündfunken zu kontrollieren, denn wenn der fehlt, liegt es normalerweise nicht an der ersten Ursache. Leider sind auch die Fehlerquellen bei der Zündung vielfältig, und es erleichtert die Sache, wenn man sie systematisch angeht.

Erstens: die Zündkerze. Einen Zündkerzenschlüssel sollte man wirklich immer dabei haben. Backe runter, Kerzenstecker kontrollieren (ist er noch fest drauf oder hat er sich losvibriert? Dann hätten wir die Ursache schon gefunden). Nach dem Ausschrauben der Kerze steckt man diese in den Stecker und hält die Spitze auf Masse, meistens empfiehlt sich hier eine Schraube der Lüfterradabdeckung. Dann tritt man den Kickstarter und sieht, ob es funkt. In meinem Fall gibt es genau einen Funken. Und dann gar nichts mehr. Eine neue Kerze bringt keinerlei Verbesserung (die sollte man ebenfalls immer dabei haben).

Zweitens: der Kerzenstecker. Es passiert leider gar nicht so selten, dass der Stecker kaputt wird. Auch den kann man mit sich führen, er ist klein und leicht. Um ihn zu testen, schraubt man ihn ab und hält ohne Stecker und Kerze die freien Litzen des Zündkabels auf Masse. Auch dann sollte es Funken geben.

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Gleich drei Dinge
können hier hin werden
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Der Austausch eines
Pickups ist eher mühsam
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Da liegt der
Hund begraben!
 
 

Drittens: das Zündkabel. Es kann innen brechen und dann – so wie der Kerzenstecker – nicht mehr leiten. Das kann man nur testen, indem man es austauscht. Profis und Leute mit großen Gepäckfächern haben auch das dabei!

Viertens: die Elektronikzentrale/die Zündspule/der Kondensator. Ich empfehle eher, gleich eine ganze Elektronikzentrale (P-Motor) beziehungsweise Zündspule (Motor mit Unterbrecherzündung) mitzunehmen, samt Kabel und Stecker. Hier hilft auch nur der Austausch. Die Teile sind schnell und einfach zu montieren, meistens reicht ein Kreuzschraubendreher und ein passender Gabelschlüssel. Der Kondensator sitzt bei elektronischen Zündungen in der Elektronikzentrale, bei Unterbrecherzündungen jedoch auf der Zündgrundplatte. Das lässt sich ohne größere Aktion und entsprechendem Werkzeug nicht so leicht tauschen.

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Fünftens: der Pickup.
Bei elektronischen Zündungen ist das ebenfalls ein Verschleißteil. So wie bei all den anderen Teilen hat die Fertigungsqualität nicht gerade zugenommen und es gilt die Faustregel: je jünger, desto kürzer die Haltbarkeit. Der Austausch des Pickups on the road ist schwierig, ich habe auf langen Touren eine ganze Zündgrundplatte mit. Hier ist das Einfädeln der Kabeln eine schwierige Angelegenheit: Ich empfehle einen dünnen Draht, den man von oben durchfädelt, dann durch die Kabelschuhe und wieder zurück durch den Kanal. Damit kann man die Kabel hinaufziehen, was vor allem bei alten, weichen Kabeln oft die einzige Möglichkeit darstellt.

An diesem Abend muss ich aufgeben und fahre mit meiner Schwester und später mit einem Car2Go nach Hause. Am nächsten Tag bewaffnete ich mich mit allen nur erdenklichen Ersatzeilen plus notwendigem Werkzeug und fahre zur Stelle des vorabendlichen Ungemachs. Noch vor der Demontage der Elektronikzentrale schießt mir ein Gedanke durch den Kopf: Was ist, wenn der Fehler irgendwo im Kabelbaum oder im Lenkkopf liegt? Also hänge ich das äußere grüne Kabel von der Elektronikzentrale ab und siehe da: Es funkt!

Das Kabel läuft durch die Vespa bis zum Zündschloss beziehungsweise zum Abstellknopf, und genau dort liegt der Fehler: Der Knopf hat sich festgeklemmt und unterbricht daher dauerhaft die Zündung. Dieser Gedanke ist mir am Vorabend schlicht und einfach nicht gekommen. Die Reparatur hätte nur eine Sekunde gedauert – nämlich mit dem Fingernagel den Abstellknopf wieder herauszuziehen … Wir haben also Fehler Nummer Sechs. Leicht zu überprüfen und auch leicht zu beheben.

Ich kann mir wenigstens den Tausch anderer Teile ersparen und auch eine Menge Geld. Und gelernt habe ich auch wieder etwas. Zur Feier des Tages gönne ich mir ein gutes Eis.



VESPA – GESCHICHTEN VON WIEN BIS ROM
Buch

Das zweite Vespa-Buch
von „motomobil“-Autor Guido Schwarz ist das Nachfolgewerk von „Vespa – was für ein Leben!“ Es enthält neue Geschichten und philosophische Analysen zum Mythos Vespa, genauso humorvoll, provokant und vielleicht noch tiefer gehend. Der Autor machte sich im Sommer 2012 mit seiner 39 Jahre alten Vespa Sprint auf die Fahrt von Wien nach Rom. Es wurde eine Abenteuerreise, die ihresgleichen sucht.

„Vespa – Geschichten von Wien bis Rom“ (Format A5, ca. 200 Seiten, ISBN 9783200028746) ist um 15 Euro bei Scooter-Shops erhältlich, im sortierten Buchhandel, bei Amazon, in den Bestseller-Shops (im Ekazent Hietzing und in der Millennium City, online über www.motorbox.at) sowie im Direktvertrieb des Autors über die Webseite www.guidoschwarz.at/vespabuch-2




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