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MOBILBLOG

DAS ROLLERTREFFEN IM PRATER


Fotos: Christian Beisken, Guido Schwarz

WIENER MISCHUNG

Immer wieder gibt es gute Gründe für ein großes Rollertreffen. Und der wichtigste Grund für ein Rollertreffen ist das Treffen selbst


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Autorbox_SchwarzDas Rollertreffen im Wiener Wurstelprater
ist noch jung, 2012 fand es erst zum dritten Mal statt. Entstanden ist es aus der Idee, ein paar Roller zu einer Präsentation von indischen Blechschaltrollern hinzuzuholen. Und schon im ersten Jahr kamen an die 250 Roller. Offensichtlich besteht in der Szene ein gewisses Bedürfnis zur Gruppenbildung.

Letztes Jahr waren es dann schon über 500 Roller und heuer irgendwas um 450 aufwärts, wobei hier die mäßige Wettervorhersage die Entschlusskraft vor allem vieler Wiener Rollerfahrer gedämpft haben dürfte. Als ich um elf Uhr vor dem Schweizerhaus eintreffe, sind erst drei Dutzend Roller anwesend und es beginnt leicht zu tröpfeln. Einweiser helfen beim Parken der Fahrzeuge und schon stehen auch ein paar Apes herum, eine davon vom Sponsor Clausthaler Bier, was einigen durstigen Zeitgenossen sehr gefällt.

Die Szene ist bunt gemischt, es gibt die Alt-Mods mit fein polierten und verzierten Lambrettas, die Scooterboy-Szene, erkennbar an Helmen, welche die Bezeichnung ganz sicher nicht verdienen sowie den fettesten Auspuffanlagen auf ihren Largeframe-Vespas. Stets auch laut und am eher kreischend-blechernen Klang zu erkennen die Smallframe-Szene, gerade sehr in Mode, zahlenmäßig immer noch wachsend und somit voller Selbstbewusstsein. Dann wird es sanfter bis hin zu netten Mädchen in rosafarbenen LX-Automatik-Vespas. Dazwischen findet sich die gesamte Bandbreite aller nur denkbaren Rollerfreaks, jung und alt, vom Alltagsfahrer, der seine Rostkiste täglich durch Wien prügelt bis zum Spezialisten, der seine sauteure Vollrestauration nur drei Mal im Jahr an schönen Tagen äußerln führt.

Der etwas grauhaarig dominierte Vespa Club Wien mit großteils modernen Vespas, die Burschen von schaltroller.at, einige aus der Galleria und ein gerade neu gebildeter Vespa-Club – alle sind an diesem Tag vor allem eines: Rollerfahrer (und natürlich Rollerfahrerinnen, aber die sind tatsächlich nur marginal vertreten, obwohl die Vespa das erste Emanzipationsgefährt für Frauen war. Doch das ist eine andere Geschichte). Nicht vergessen dürfen wir die vielen von weither angereisten Vespas und Lambrettas, mit dem Schwerpunkt aus Oberösterreich. Lambrettas sind in bemerkenswerter Anzahl vertreten.

Das Ding heißt „Twinni“ und fährt wirklich!
Das Ding heißt „Twinni“ und fährt wirklich!
Smallframe- Racer von Vespa-Fred
Smallframe-Racer von Vespa-Fred
Custom-Roller von Veranstalter Sqooter
Custom-Roller von Veranstalter Sqooter
Ja, es gibt sie noch, die Mods …
Ja, es gibt sie noch, die Mods …

Dann beginnt das Spektakel. Anstarten und sich in die Horde der anderen einreihen, laut, nicht ganz geruchsfrei, langsam. Wie immer dauert es eine gewisse Zeit, bis sich mehrere hundert Fahrzeuge in Bewegung setzen. Der Beginn ist mühsam, weil man sich durch das Nadelöhr der Vorgartenstraße quälen muss, bis hin zum Praterstern, ab dort geht es immer leichter. Die Runde um den Ring ist heuer wesentlich besser organisiert – die Ampeln sind zwar nicht auf Grün geschaltet, aber die Polizei und die Ordner leisten ganze Arbeit und sperren die Route genau richtig ab. Wir müssen eigentlich nur einmal auf der Praterstraße ein paar Minuten warten, dann geht es in einer Tour rund um den Ring bis zur Franzensbrücke, wo das nächste Nadelöhr beginnt – und bis in den Prater ein solches bleibt.

Ich habe meine alte GS 150 einem Freund geborgt und fahre selbst mit der Sprint – für beide Mopeds durchaus ein Härtetest, vor allem für die Kupplung, denn man kann fast alles nur im ersten Gang fahren und muss immer wieder stehenbleiben. Fahrerisch ist das kein wirklicher Spaß, aber darum geht es auch nicht. Es geht um die Show, und genau das ist es, muss es sein, soll es sein. Staunende Touristenscharen, alle zücken das Handy und fotografieren, fast keine bösen Gesichter – Roller rufen weniger Ablehnung hervor als etwa schwere Motorräder, obwohl eine Zweitaktwolke über dem Ring liegt, die nicht gerade nach Flieder duftet. Öko-Zertifikat gibt es sicher keines, aber dafür findet das auch nur einmal im Jahr statt.

Mehr als 400 Roller, da kann es zu unerwünschten Berührungen kommen. Schon auf der Praterstraße stehen zwei, die das geschafft haben. Der eine wachelt mit einem zerbrochenen Nummerntafelrahmen, der andere schimpft zurück. Ein netter Sprint-Fahrer hatte schon bei der Anreise einen Sturz zu vermelden – er war von einem Lkw brutal geschnitten worden. Rollerfahren ist nicht ungefährlich und unachtsame Autofahrer haben ihren Anteil daran. Vielleicht ist es gar nicht schlecht, als Rollerfahrer einmal Flagge zu zeigen: Uns gibt es und wir sind Verkehrsteilnehmer, die auch leben wollen (und natürlich fahren). Wir brauchen wesentlich weniger Platz als die Pkw, die meist vier leere Plätze spazieren führen.

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Auch die fleißige Ape …
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… ist in ihren vielfältigen Erscheinungsformen …
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… beim Rollertreffen im Wiener Prater …
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… zahlreich vertreten

Für den Zuseher scheint es, als würden eine halbe Ewigkeit lang Roller vorbeifahren. Vor allem den wartenden und nicht immer verständnisvollen Autofahrern kommt das so vor. Tatsächlich ist die gesamte Kolonne nach drei bis vier Minuten vorbei. Auch das zeigt, wie seltsam wir mit unserer Zeit umgehen und welchen Qualitätsunterschied das Zweiradfahren bedeutet.

Zurück im Prater werden sämtliche Roller auf einen großen Parkplatz geleitet. Dann ist es im Prinzip vorbei, wir werden uns selbst überlassen. Manche kritisieren das, aber die Veranstalter sind der Ansicht, die Rollerfahrer können selbst für das weitere Programm sorgen. Einige verschwinden in den bierseligen Weiten des Schweizerhauses, andere treten den Heimweg an. Und eine gar nicht so kleine Anzahl bleibt noch für ein bis zwei Stunden auf dem Parkplatz, plaudernd, einander kennenlernend – eine vielfältige Gemeinschaft, die im nächsten Jahr hoffentlich wieder zusammenkommt. Ohne Verluste bitte.

www.facebook.com/Rollertreffen


WAS FÜR EIN LEBEN!
 
Was für ein Leben!
Keine Reparaturanleitung und keine Modellchronik.
Guido Schwarz beschreibt die Menschen mit ihrer Liebe und ihrer Leidenschaft zur Vespa. Die Analyse geht bis in psychoanalytische Aspekte, aufgelockert durch Geschichten aus dem Leben eines passionierten Vespa-Fahrers.

„Was für ein Leben!“ (Format A5, ca. 200 Seiten, ISBN 9783200022676) ist um 15 Euro bei Scooter-Shops erhältlich, im sortierten Buchhandel, bei Amazon, in den Bestseller-Shops (im SCS Multiplex, im Ekazent Hietzing und in der Millennium City, online über www.motorbox.at) sowie im Direktvertrieb des Autors über die Webseite www.guidoschwarz.at/inhalt




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