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MOBILBLOG

FREUD’ UND LEID DER BLECHROLLER-OLDTIMEREI


Text & Fotos: Guido Schwarz

METALL UND SEINE VERFORMUNG

Aus der geheimen Fotosammlung von „motomobil“-Autor Guido Schwarz: Die beliebtesten Motorschäden bei selbstfrisierten Vespas!


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Autorbox_SchwarzDas Motto lautet: Es gibt nichts, was es nicht gibt. Vespa-Zangler können davon ein ganz besonderes Lied singen. Viele Vespas in Kombination mit vielen Tuningteilen führen zu ebenso vielen Schäden. Diese rühren nicht nur von Materialschwächen her, sondern sehr gerne und oft von diversen Fehlern der Schrauber. Da hätten wir anzubieten:

a) Einbaufehler. Irgend etwas wurde verkehrt herum eingebaut oder ein kleiner, aber wichtiger Teil wurde vergessen. Die meisten der Schrauber sind keine Profis und haben sich die Fertigkeiten selbst beigebracht oder von Freunden abgeschaut. Wer etwa eine Kurbelwelle mit dem Hammer in ihren Sitz hineinschlägt, hat in Folge nur wenig Freude und wahrscheinlich nach einiger Zeit einen kapitalen Motorschaden
b) Materialfehler. Vorher schwer zu erkennen, noch schwerer reklamierbar, weil die Teile heute meistens in China, Indien oder sonstwo gefertigt werden und in der Qualität fast durchgehend nicht mehr dem entsprechen, was früher lange gehalten hat …
c) Einstellungsfehler. Sie rühren vor allem von unnötiger Eile her: „Richtig eindüsen machen wir nächste Woche“ – jetzt gleich gibt es eine Probefahrt, auf die alle Beteiligten schon hinfiebern. Nach langer Wartezeit auf Ersatzteile und Fertigstellung ist man absolut geil darauf, dass der Motor endlich rennt. Oft ist das ein nur allzu kurzes Vergnügen

Es sind meistens die Herzstücke der Motoren, die den Geist aufgeben: Kolben, Pleuel, Kurbelwelle, Lager. Selbstverständlich lässt sich diese Liste beliebig fortsetzen: Zylinder, Zylinderkopf, Simmerringe, Halbmond-Keile, Kupplung et cetera. Es gibt fast nichts, was nicht kaputt gehen kann.

Besonders beliebt sind kaputte Kolben. Sie sind genau genommen Verschleißteile und unterliegen vor allem bei frisierten Motoren entsprechenden Belastungen. Sie sind aus Aluminium und werden gerne bearbeitet, sprich: gefräst. Dabei wird Material weggenommen, um den Kolben entweder leichter zu machen oder größere Öffnungen zu fräsen, damit mehr vom wertvollen Gemisch in die Brennkammer strömen kann.

Besondere Verwunderung jedoch rufen stets abgerissene Stahlteile hervor. Eigentlich sollte das nicht passieren, aber was heißt das schon? Eine gebrochene Kickstarterwelle zum Beispiel hat sicherlich einen ausgesprochen seltsamen Gesichtsausdruck bei ihrem Besitzer hervorgerufen. Und der eine oder andere Fluch wird auch dabei gewesen sein.

Sehr beliebt sind auch gerissene Motorblöcke. Rund um den Kickstarter etwa gibt das gegossene Aluminium schon mal auf und verursacht dem Besitzer des Motors Kopfschmerzen. Ständiges Rinnen (heißt bei uns „Safteln“) bewirkt eine dauerhafte Sauerei am Motor. Öl hat die Eigenschaft, dass es sich überall hin verteilt und alles verdreckt. Es zieht Schmutz aus der Umgebung geradezu magisch an und die Quelle ist nicht immer leicht zu finden. Auf dem Beweisfoto sieht man so einen typischen Riss, der übrigens erfolgreich geschweißt werden konnte, nachdem er sich vom ersten Reparaturversuch mit Kaltmetall ziemlich unbeeindruckt gezeigt hatte.

Kapitalschaden: abgerissenes Pleuel und zerstörter Kolben (Smallframe-Michl)
Kapitalschaden: abgerissenes Pleuel
und zerstörter Kolben (Smallframe-Michl)
Und ein Riss im Motorblock darf nicht fehlen (Oliver Jorns)
Und ein Riss im Motorblock darf
nicht fehlen (Oliver Jorns)

Was steckt dahinter? Um es kurz zu sagen: Männer und Metall, eine Jahrtausende alte Kombination, die noch nichts von ihrer Faszination verloren hat. Schon in der Bronzezeit saß man mit leuchtenden Augen vor dem Feuer und sah dem Schmied zu, wie er ein neues, besonders festes („getuntes“) Schwert herstellte. Der Wunsch nach der Härte des Materials lässt sich bis in die männliche Psyche verfolgen, harte Männer gelten als starke Männer, das war quasi schon immer so. In Kombination mit dem Verbrennungsmotor, also der kontrollierten Explosion, aus der sich Bewegung und Geschwindigkeit hervorzaubern lassen, ergibt das eine Mischung, der sich Männer nur schwer entziehen können. Welcher Mann möchte nicht seine eigenen Explosionen in beliebiger Zahl und idealerweise noch kontrolliert hervorbringen können?

„Hart wie Kruppstahl“ sollten Männer in der wohl dunkelsten Phase der bisherigen Menschheitsgeschichte sein. Wir können uns glücklich schätzen, dass es heute „nur“ um die Verformung von Vespa-Kolben und nicht um die des Körpers geht. Eine gebrochene Kurbelwelle ist allemal besser als ein gebrochener Mensch.

www.guidoschwarz.at


WAS FÜR EIN LEBEN!

Was für ein Leben!
Keine Reparaturanleitung und keine Modellchronik.
Guido Schwarz beschreibt die Menschen mit ihrer Liebe und ihrer Leidenschaft zur Vespa. Die Analyse geht bis in psychoanalytische Aspekte, aufgelockert durch Geschichten aus dem Leben eines passionierten Vespa-Fahrers.

„Was für ein Leben!“ (Format A5, ca. 200 Seiten, ISBN 9783200022676) ist um 15 Euro bei Scooter-Shops erhältlich, im sortierten Buchhandel, bei Amazon, in den Bestseller-Shops (im SCS Multiplex, im Ekazent Hietzing und in der Millennium City, online über www.motorbox.at) sowie im Direktvertrieb des Autors über die Webseite www.guidoschwarz.at/inhalt





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