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E-BIKE-FEATURE

UNTERWEGS MIT DEM PUCH KRAFtlackl


Text: Uli Brée
Fotos: Bernhard Raggl

REISE IN DIE VERGANGENHEIT

Mit dem neuen Puch Kraftlackl zu Besuch im Max-Reisch-Archiv


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UliBree_grun_klSang und klanglos, ganz unauffällig ist Puch irgendwann aus unserem Auto-, Motorrad- und Radfahrerleben verschwunden. Wir haben es gar nicht so richtig bemerkt, so still und heimlich ist die große österreichische Marke zu Grabe getragen worden. Ein Begräbnis nur im Kreise der engsten Angehörigen, kein verdientes Ehrengrab am Zentralfriedhof, kein Aufschrei der Industrie, kein staatlicher Rettungsversuch, nichts. Einfach verschwunden. Dabei hat diese Marke viele grandiose Geschichten geschrieben.

Und jetzt ist Puch wieder da. Zumindest als Fahrrad und E-Bike. Das traditionsreiche Familienunternehmen Faber in Wien präsentiert jetzt eine neue Puch-Sammlung. Neun neue Modelle, darunter gleich fünf Pedelecs (die Puch-Namensrechte befinden sich übrigens im Besitz der schwedischen Firma Cycleurope). Eines von diesen neuen E-Rädern steht nun in meiner Garage („Bike“ klingt in Zusammenhang mit Puch irgendwie komisch, daher einigen wir uns doch auf Elektrofahrrad). Mit dem zutiefst österreichischen Namen KRAFTLACKL will Puch noch einmal durchstarten. Dabei hießen die Mopeds damals zu meiner Zeit Monza, Ranger oder Cobra. Aber KRAFTLACKL hat schon was. Eigenständig und nicht ganz so verbissen wie die Geräte sonst so bei anderen Anbietern heißen.

Der Akku und der gesamte Panasonic-Antrieb erinnern mich auf den ersten Anblick stark an die E-Bikes von Flyer. Und ich täusche mich nicht. Bis auf die in schwarz gehaltenen Teile ist alles identisch: Panasonic-Tretlagermotor mit 250 Watt Leistung, Akku mit 36 Volt und 14 Ah (somit 504 Wattstunden Energieinhalt) und acht Gänge. Grundsätzlich keine falsche Entscheidung. Im Gegensatz zu manchen anderen Antrieben lässt dich der Panasonic-Mittelmotor nie im Stich. Und genau da, wo das Flyer ein wenig auslässt, startet der Kraftlackl kräftig durch: Sein Design ist um einiges eleganter und gefälliger als beim Flyer, wenn auch nicht so überdrüber stylish wie bei den ganz teuren Designerbikes.

Ich habe Puchs elektrische Wiedergeburt zum Anlass genommen, eine Reise in die Vergangenheit der Firma zu unternehmen. In der Nähe von Bozen beherbergt Peter Reisch das Archiv seines Vaters (www.maxreisch.at). Max Reisch war der erste österreichische Reise-Pionier auf einem Motorrad. Natürlich auf einer Puch. Bereits 1930 bewältigte er im Alter von 18 Jahren zwölf Pässe mit heißen drei PS. Also auch nicht gerade eine monströse Motorleistung. Und damals war das Stilfser Joch noch nicht asphaltiert wie heute. Aber das war erst der Anfang: 1932 unternahm er auf den Spuren von Sven Hedin eine „Testfahrt“ nach Nordafrika. Sein Fahrzeug: Eine Puch 250. Das erste österreichische Motorrad in Afrika.

Peter Reisch empfängt uns herzlich in seinem Archiv. Er hat nicht nur das ganze Bild- und Textmaterial seines Vaters gesammelt, nein, auch so gut wie alle Fahrzeuge stehen da zum Bestaunen bereit. Ein verschmitztes Lächeln ist auf seinen Lippen zu erkennen, als ich mit dem Kraftlackl auf seinen Hof radle. Erst nach ein paar Minuten des Überredens nimmt er Platz auf dem Lackl und dreht ein paar Runden den Weg zu seiner Buschenschank hinauf und wieder hinunter. Und jetzt muss er wirklich lachen. Es ist immer wieder das Gleiche: Menschen, die keine E-Bikes kennen, sind zunächst skeptisch und dann, bereits nach ein paar Metern, höchst positiv davon angetan. Aber noch etwas fällt mir auf: Die Suntour-Swingshock-Federgabel, die ich beim Test im Stand als nicht wirklich sinnvoll erachtet habe, macht aus der Ferne beobachtet durchaus Sinn. Das Ding dämpft richtig gut. Auch wenn es mir im Stand als viel zu hart erschien. Die Shimano-Scheibenbremsen, der übersichtliche Radcomputer, der Alu-Rahmen, der 250-Watt-Mittelmotor, das macht alles Sinn, das hat alles eine hohe Qualität.

Skeptischer Erstkontakt. Das große Grinsen kommt sofort nach den ersten gefahrenen Metern
Skeptischer Erstkontakt. Das
große Grinsen kommt sofort nach
den ersten gefahrenen Metern
„Kraftlackl“ steht für die neue Puch-Qualität, für erfrischendes Design, für 250-Watt-Mittelmotor und für einen kräftigen Akku mit über 500 Wattstunden
„Kraftlackl“ steht für die neue Puch-Qualität, für
erfrischendes Design, für 250-Watt-Mittelmotor und
für einen kräftigen Akku mit über 500 Wattstunden
Schön wär’s. Leider nur für Erwachsene
Schön wär’s. Leider nur für Erwachsene
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Puch neu: Elektrofahrrad mit viel Hintergrund

Davon konnte Max Reisch (im übertragenen Sinne) damals in den 1930er-Jahren natürlich nur träumen. Damals musste man sich sein Fahrzeug den Bedürfnissen entsprechend selber bauen. Da konnte man nicht übers Internet die passenden Teile bestellen. Es gab ja nicht einmal Geländereifen. Es ist wirklich beeindruckend, wenn Peter Reisch von den Reisen seines Vaters erzählt. Noch dazu, wenn man vor den Fahrzeugen steht, mit denen Max Reisch damals diese Abenteuer bestritten hat. 1933 ist er gemeinsam mit seinem Begleiter Herbert Tichy auf einem Motorrad 13.000 Kilometer nach Indien gereist. Diese 250er-Puch hatte sechs PS und der Motor wurde versiegelt, um zu beweisen, wie standhaft eine Puch sein kann.

Schade, dass so ein Pionier wie Max Reisch ziemlich in Vergessenheit geraten ist. Genauso schade ist es, dass die Motorradmarke Puch nicht mehr existiert. Aber zumindest gibt es ja jetzt wieder den Kraftlackl, das Kraftwerk oder den Dienstmann, wie die anderen Modelle so heißen. Mal schauen, was den gnädigen Herrschaften beim Faber noch so einfällt, um uns das Radlerleben charmanter zu gestalten. Mir hat der Kraftlackl jedenfalls eine echte Hetz’ bereitet, bitte weiter so! Um wohlfeile 2749 Euro steht er auch in deiner Garage. G’schamster Diener!


TECHNISCHE DATEN: PUCH KRAFTLACKL
RAHMEN Aluminium AL 6061
GABEL Federgabel Suntour Swingshock
LAUFRÄDER Spectra Alu-Hohlkammer
BEREIFUNG Spectra Asphalt 28“
BREMSEN Shimano Scheibenbremsen
SCHALTUNG Achtgang-Kettenschaltung Shimano Tiagra
BELEUCHTUNG als Zubehör
MOTOR Panasonic Mittelmotor 250 W
AKKU 36 V 14 Ah Lithium-Ionen, 504 Wh
LADEZEIT 2,5 bis 3 h
MAX. REICHWEITE ca. 100 km
GEWICHT (inkl. Akku) 21,7 kg
SPITZE 25 km/h mit Tretunterstützung
SONSTIGES  Anfahr-/Schiebehilfe bis 6 km/h
EXTRAS Kotflügel, Lichtanlage, Gepäckträger
PREIS (2012/2013)
€ 2749,–
VERTRIEB/INFO www.puch-bike.at






































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