Cookies helfen uns bei der Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung dieser Seite erklären Sie sich damit einverstanden. Weitere Informationen.

Ich akzeptiere Cookies von dieser Seite.

 
Banner
Banner
Banner
Banner
Banner
Banner
Banner

E-BIKE-TEST

e-MO VON E-TON

Text & Fotos:
Michael Bernleitner

STILLE SPARKASSA

Wie sich die Zeiten wiederholen: So wie sich die Großväter mit kochendem Kühler den Glockner und die Turrach erobern mussten, so zittern wir heute den Seiberer hinauf. Das aber lautlos

e-MO E-Bike

Die Stimmung ist angespannt. Weil der Motor nicht mehr unter Spannung steht. Ich setze den Akku neben dem e-MO ab, versorge den Scooter per Absperrschloss am Laternenpfahl und stelle mich gerade auf einen Fußmarsch ein. Da dringt die Meldung des Tages an mein Ohr: „Eh, sieh mal, der Mann, der holt sich gerade seine Geldkassette ab!“
Die deutsche Fahrradtouristin, die da gerade durch die Wachau genussstrampelt, scheint in der neuen Elektromobilität noch nicht so versiert zu sein, sie hat eklatante Unterscheidungsschwierigkeiten zwischen Geldbehältnissen und Stromspeichern. Wer könnte es ihr denn auch verdenken. In ein, zwei Jahren wird es hier, den Planungen zufolge, von Stromtankstellen nur so wimmeln. Auch ich bin von der plötzlichen Verdunkelung überrumpelt worden: Wenn ich nicht – einer instinktiven, feigen Eingebung folgend – die heimliche Route durch das historische Dürnstein genommen hätte, wäre ich in der fast kilometerlangen Dürnsteiner Unterführung liegen geblieben, na, und dann ist aber Feuer am Dach.
Wobei die Schuld an der vorzeitigen Fahrtunterbrechung weniger am e-MO oder an seiner Reichweite liegt, sondern vor allem an der Unerfahrenheit des Piloten mit der Ladestandsanzeige im Cockpit. Da gehört nämlich ein wenig Einfühlsamkeit dazu. Bei Vollgas oder bergauf sinkt die Anzeige klarerweise rasch, um dann aber bei Teillast oder zum Beispiel an der Ampel wieder einen deutlich volleren Akku anzuzeigen als es tatsächlich der Fall ist. Dass man sehr gut daran tut, sich jederzeit eine Portion Kapazität in Reserve zu halten, ist der Hauptgrund dafür, dass bei einem Elektrofahrzeug die praktische Reichweite von der theoretischen immer ein gutes Stück entfernt bleiben wird. Bleibt das Ding stehen und ist das Ladegerät nicht mit dabei, ist der Tagesplan auf den Kopf gestellt.

Die Spannung steigt: vor dem Start auf den legendären Seiberer
Die Spannung steigt: vor dem Start auf
den legendären Seiberer

Das vom taiwanesischen Unternehmen E-TON (sonst auf Roller mit Verbrennungsmotoren spezialisiert) fabrizierte e-MO ist ein interessanter Zwitter: Nicht mehr Pedelec, aber mit Fußrasten und äußerst graziler Erscheinung auch noch kein traditioneller Roller; mit (gemessenen) 47 Stundenkilometer Spitze fällt es in die Mopedklasse und als Einsitzer kostet es die Bagatelle von knapp über 30 Euro Versicherung pro Jahr. Auch der Anschaffungspreis liegt mit 2090 Euro im schlanken Bereich, unter dem Niveau von qualitativ guten Elektrofahrrädern. Mit seinen 50 Kilo kann man es ohne Hilfe in Transporter, Campingmobile oder auf Ladepritschen heben, und mit freundlichen vier Jahren Fahrzeuggarantie und zwei Jahren Garantie auf den Lithium-Ionen-Akku tut es sich aus dem immer wildwüchsiger werdenden Angebot an E-Scootern angenehm hervor.
Die Kremser Vertriebsfirma Kirschenhofer ist schließlich auch einer der Gründe dafür, dass wir ausgerechnet das e-MO für den ersten „motomobil“-E-Bike-Test ausgewählt haben: Als Produzent der Rollermarke Generic hat Kirschenhofer langjährige Erfahrung in Taiwan und in der Volksrepublik, und gerade bei Kirschenhofer gehen wir davon aus, dass ein Importfahrzeug gehobenen Qualitätskriterien entsprechen muss. Am Aufbau und an der Verarbeitung des e-MO können wir dann auch keine Schwachpunkte entdecken, ganz im Gegenteil: Die Armaturen und Bedienungselemente sind allesamt grifffest, Materialqualität und Lackierung sind anständig. Staufächer oder Gepäckträger finden wir nicht, diese Punkte wurden der Leichtigkeit und dem schlanken Aufritt des e-MO untergeordnet. Etwaiges Gepäck muss man halt per Rucksack transportieren. Die vordere Scheibenbremse unseres Testfahrzeugs ist aufpreispflichtiges Extra und für ungeübte Fahrer fast zu giftig, die vordere Trommelbremse des nach Österreich importierten Normalmodells bremst sanfter. Die in den Radnabenmotor integrierte hintere Trommelbremse dient lediglich zur Stabilisierung, ihre Wirkung ist gering. Die Steifigkeit des Fahrwerks ist für die erreichbaren Tempi mindestens ausreichend; die Federung ist straff, wobei der gut proportionierte Sattel den Komfort unterstützt.